Schließung ist nicht traurig

25 Aug, 2015

Nach dem ersten Erstaunen über den Inhalt des Artikels „Museum in Ilfeld vor dem Aus“ und der Anmerkung „Ilfeld vor dem Ende“. Ist es angebracht einmal die Haushaltssatzung der Gemeinde zu studieren.

Dort findet man im Unterabschnitt 3200, die Heimatstube Ilfeld und eine einfache Übersicht zu den Einnahmen und Ausgaben des Heimatmuseums.

Die geplanten Einnahmen liegen seit 2012 konstant bei ca. 50 Euro pro Jahr. Das werden die Eintrittspreise von 1,50 Euro für Erwachsene und 75 Cent für Kinder und Jugendliche sein. Dem gegenüber stehen jährliche Ausgaben von ca. 2.400 Euro, der Großteil der Ausgaben besteht aus Personalkosten, in diesem Fall für geringfügbeschäftigte Personen inkl. aller Nebenkosten 2.000 Euro pro Jahr. Diese Situation ist nicht neu, sondern bereits drei Jahre anhand der Haushaltssatzung 2014 nachzuvollziehen. Das der Gemeinderat erst 2015 realisiert, dass die Kosten vielleicht etwas „unangemessen“ im Verhältnis zu den Einnahmen stehen, der Deckungsgrad liegt weit unterhalb von 1 Prozent, ist entweder ein Zeichen von Unkenntnis, Unwillen oder Ignoranz der gewählten Gemeinderatsmitglieder.

Wenn man nun dazu noch die Öffnungszeiten, dieses „Weltkulturerbes“ (Dienstags & Mittwochs von 14 Uhr bis 16 Uhr und an Donnerstagen sogar von 14 Uhr bis 18 Uhr) betrachtet, muss einem die Sache schon etwas spanisch vorkommen. Der Mitarbeiter dort öffnet die Heimatstube im Schnitt für weniger als einen Besucher pro Tag. Das bedeutet faktisch, dass es dort weder einen Bedarf für eine solche Einrichtung noch eine Verzahnung mit Kindergärten oder Schulen aus dem näheren Umfeld gab oder aktuell gibt.

Eine mögliche Schließung ist danach nicht traurig, sondern es ist schockierend wie man über Jahre hinweg eine Einrichtung am Leben erhält, die scheinbar weder von den Einwohnern noch von Touristen genutzt wird.

Dabei ist Ilfeld nicht der einzige Bereich im Gemeindegebiet, die Bibliothek Niedersachswerfen hat in den Jahren 2012 und 2013 keine Bücher über den Gemeindehaushalt gekauft, aber Personalkosten von ca. 800 Euro pro Jahr verursacht. Laut Satzung sollte sie eigentlich auch Geld einnehmen, also durch Anmeldungen (Ausgabe Benutzerausweise) und bei Überschreitungen der Leihfrist. Im Haushalt selbst betragen die geplanten Einnahmen seit dem Jahr 2012 konstant 0 Euro. Das muss man sich mal überlegen, der Bücherbestand wird nicht mehr erhöht (Spenden sind auch keine aufgeführt), man plant keine Einnahmen durch neue Benutzerausweise und ist sich damit der Lage bewusst und gibt trotzdem 800 Euro für Personal aus.

Und so geht die Reihe weiter, in kaum einer „kulturellen Einrichtung“ der Gemeinde wird durch Gebühren und Eintrittspreise auch nur 1 Prozent der Kosten gedeckt.

Sofern den engagierten Bürgern der Gemeinde Harztor etwas an ihren Einrichtungen liegt, sollten sie dazu übergeben sie im unbezahlten Ehrenamt weiter zu betreiben, da sind die Kosten sehr viel geringer…

Berichterstattung in der Presse:

Bericht in der nnz-online.de