Preiselastizität der Nachfrage im Verkehr

27 Apr, 2019
Preiselastizität der Nachfrage im Verkehr

Die Preiselastizität der Nachfrage von Fahrscheinen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kann sowohl elastisch als auch unelastisch sein. Abhängig ist dies in erster Linie vom Tag und der Tageszeit der ÖPNV-Nutzung.

Ist die Nachfrage nach Fahrscheinen im ÖPNV elastisch oder unelastisch?

Die Preiselastizität der Nachfrage von Fahrscheinen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kann sowohl elastisch als auch unelastisch sein. Abhängig ist dies in erster Linie vom Tag und der Tageszeit der ÖPNV-Nutzung.

Hauptverkehrszeiten

Zu Hauptverkehrszeiten sind die Preise unelastisch. Eine unelastische Nachfrage bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Änderung des Preises nur eine kleine Änderung der Nachfrage zur Folge hat.

Die unelastische Nachfragefunktion würde in etwa so aussehen:

Verlauf unelastischer Nachfrage

Wie man klar erkennt, hat eine große Preisänderung (P alt zu P neu) nur eine kleine Mengenänderung (M alt zu M neu) zur Folge. Ursache dafür ist, dass Pendler pünktlich zur ihren Arbeitsplätzen müssen, also werden sie grundsätzlich (kurzfristig) Fahrscheine unabhängig vom Preis kaufen.

Die Preiselastizität würde wie folgt berechnet werden:

Alter Preis = 60 Euro
Neuer Preis = 90 Euro
-> Erhöhung des Preises = 50 %

Verkaufte Fahrscheine alter Preis = 10
Verkaufte Fahrscheine neuer Preis = )
-> Verringerung der Menge = 10 %

Preiselastizität der Nachfrage (PED) = Änderung der Menge in Prozent / Änderung des Preises in Prozent
PED = 10 % / 50 %
PED = 0,2

Nebenverkehrszeiten

Zu Nebenverkehrszeiten sind die Preise elastischer. Eine elastische Nachfrage bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Änderung des Preises eine große Änderung der Nachfrage zur Folge hat.

Die elastische Nachfragefunktion würde in etwa so aussehen:

Verlauf elastischer Nachfrage

Wie man klar erkennt, hat eine kleine Preisänderung (P alt zu P neu) eine große Mengenänderung (M alt zu M neu) zur Folge. Ursache dafür ist, dass außerhalb von Hauptverkehrszeiten der Bedarf geringer ist. In diesem Zusammenhang würde der Nachfrager versuchen zu einer anderen Beförderungsart (Substituierung) zu wechseln oder auf die Reise sogar ganz verzichten.

Die Preiselastizität würde wie folgt berechnet werden:

Alter Preis = 60 Euro
Neuer Preis = 90 Euro
-> Erhöhung des Preises = 50 %

Verkaufte Fahrscheine alter Preis = 10
Verkaufte Fahrscheine neuer Preis = 4
-> Verringerung der Menge = 60 %

Preiselastizität der Nachfrage (PED) = Änderung der Menge in Prozent / Änderung des Preises in Prozent
PED = 60 % / 50 %
PED = 1,2

Was beeinflusst die Preiselastizität der Nachfrage im Verkehr?

Verfügbarkeit von Substitutionsgütern

Gibt es viele Substitutionsgüter /alternative Beförderungsarten ist die Nachfrage elastischer, da Nachfrager zu günstigeren Alternativen wechseln können. Gibt es dagegen kaum Ausweichmöglichkeiten die günstiger sind, ist die Nachfrage eher unelastisch und die Person wird beim Fahrschein bleiben.

Anteil des verfügbaren Einkommens für Mobilität

Die Preiselastizität der Nachfrage ist abhängig vom Budgetanteil für Mobilität der jeweiligen Person. Wenn Ausgaben für Mobilität einen großen Anteil am Budget ausmachen, wird die Nachfrage eher elastisch sein. Kleinere Preisänderungen hätten eine größere Mengenänderung zur Folge.

Zeitlicher Horizont

Um so länger die zeitliche Betrachtung einer Preisänderung, desto abhängiger wird die nachgefragte Menge vom Preis. Auf kurzfristige Preisänderungen haben Nachfrager kaum eine Möglichkeit zur Substitution, die Nachfrage ist dort unelastisch. Um so länger die Preisänderung besteht, desto höher ist die Substitutionswahrscheinlichkeit.

Entfernung

Um so kürzer die Wegstrecke, desto eher wird substituiert. Gerade in räumlich kleinen Städten mit einem Straßenbahnnetz und vielen Haltestellen im kurzen Abstand , bietet der Fußverkehr oder die Nutzung von Fahrrad / E-Bike eine günstigere Alternative bei einer Tariferhöhung.

Verfügbarkeit von Substitutionsgütern

Gibt es viele Alternativen zum Fahrscheinerwerb, ist die Preiselastizität elastischer werden günstigere Alternativen gewählt.Gibt es dagegen weniger Alterativen ist die Preiselastizität unelastischer und es bleibt beim ÖPNV-Fahrschein.

Entscheidung zum Tarif im Verkehrsunternehmen

Verkehrsunternehmen und Entscheider über Tarife müssen sich mit Preiselastizität beschäftigen. Dabei hat eine Tarifanpassung Auswirkungen auf den Umsatz und zwangsläufig auf den Ausgleich der Aufgabenträger im ÖPNV.

Wenn die Nachfrage unelastisch ist, führt eine Tariferhöhung zu mehr Umsatz.

Wie man in der Grafik unten klar erkennen kann, steigt der Umsatz für das Verkehrsunternehmen bei einer Tariferhöhung immer, wenn die Nachfrage unelastisch ist.

Umsatzgewinn bei unelastischer Nachfrage

Wenn die Nachfrage elastisch ist, führt eine Tarifsenkung zu mehr Umsatz

Wie man in der Grafik unten klar erkennen kann, steigt der Umsatz für das Verkehrsunternehmen bei einer Tarifsenkung , wenn die Nachfrage elastisch ist.

Umsatzgewinn bei elastischer Nachfrage

Datenbasis im Unternehmen

Die Entscheidung zu einer Tariferhöhung sollte immer gründlich betrachtet werden. Eine wichtige Grundlage dafür die entsprechende Datenerhebung im Unternehmen. Die Kernfrage bei Tariferhöhungen lautet daher, habe ich regelmäßig viele Pendler/ Schüler die meinen Verkehr nutzen, um ihren Arbeitsplatz/ Schule zu erreichen?

Mobilität im ländlichen Raum

Gerade bei der Mobilität im ländlichen Raum ist die Antwort auf diese Frage zu verneinen, es gibt zwar Schüler und damit eine feste Größe an Nachfragern (die aufgrund der Demographie abnehmen wird), aber aufgrund von Sparmaßnahmen und unattraktiv langen Verbindungen nur wenige Verbindungen, die es erlauben innerhalb eines Zeitfensters von ca. 9 Stunden zwischen Quelle und Ziel im Berufsverkehr zu pendeln. Daher ist im ländlichen Raum die Nachfrage eher als elastisch zu bezeichnen. Tariferhöhungen wie zuletzt im Nahverkehr der Stadt Nordhausen sind mittelfristig nicht zielführend für die Entwicklung des ÖPNV.

Lösungen für die Mobilität im ländlichen Raum, speziell in Nordhausen

Preiserhöhungen im ÖPNV sind wie bereits dargestellt keine Lösungen zur Finanzierung des ÖPNV. Personen die behaupten, die Bevölkerung muss an den steigenden Kosten durch Preiserhöhungen beteiligt werden, haben weder betriebswirtschaftliche noch volkswirtschaftliche Erwägungen bedacht. Ohne ein entsprechendes Angebot führt jede Preiserhöhung zu einer Verringerung von Fahrgästen und aufgrund der Elastizität zu einer Umsatzsenkung. Die Reduktion von Linien und Erhöhung von Taktzeiten kombiniert mit höheren Tarifen führt nicht nur zu einer Reduktion von umweltverträglichen Mobilitätslösungen sondern zu größeren Finanzierungslücken im System. Dabei ist bereits seit 2016 zu erkennen, dass die Zahl der ÖPNV-Nutzer und der Umsatz durch neue Linien und bessere Verbindungen im Landkreisgebiet trotz jüngster Fahrpreiserhöhung steigt, während gerade die Zahl der Nutzer der Straßenbahn und des Stadtbussystems in Nordhausen bei einem gleichbleibenden und teilweise sinkenden Angebot der Verbindungen kontinuierlich sinkt. Die jüngste Erhöhung des Tarifs wird hier auch zu weiter sinkenden Umsätzen führen.

Zielstellung sollte es daher sein die Angebote zu verbessern, in Nordhausen ganz konkret die Linie 2 auszubauen und das Straßenbahnnetz nach Harztor auszubauen, eben dorthin wo die größten Pendlerbeziehungen existieren und Menschen über das Nadelöhr B 4 in die Stadt Nordhausen pendeln.