Wissen und Nichtwissen

Im folgenden habe ich mich wissenschaftlich mit dem Thema “Wissen und Nichtwissen” auseinandergesetzt.

„There are known knowns. These are things we know that we know. There are known unknowns. That is to say, there are things that we know we don’t know. But there are also unknown unknowns. There are things we don’t know we don’t know.”

Donald Rumsfeld

Einleitung

Wissensmanagement beschäftigt sich mit dem optimalen Umgang mit Wissen und Nichtwissen in einer Organisation. Dazu gehören sowohl die strategischen als die operativen Maßnahmen, zur Wissensidentifikation, Wissensgenerierung, Wissensdiffusion, Wissensintegration und Wissenstransfer1 zum Handeln hin zu einer „intelligenten Organisation”2.

Vom Wissen

Im Bereich des Wissens gibt es eine Unterscheidung zwischen explizitem Wissen und impliziertem Wissen.3 Es wird als zwischen Inhalten unterschieden über die wir bewusst verfügen und artikulieren können (explizites Wissen) und Inhalten über die wir verfügen, uns aber nicht bewusst sind und somit auch nicht verbal vermitteln können (implizites Wissen). Daraus ableitend lässt sich eine weitere Unterteilung des implizierten Wissens vornehmen. So gibt es bei dieser Wissensform, technisch implizites und kognitives impliziertes Wissen. Zum technischen impliziten Wissen zählen Fähigkeiten und Fertigkeiten die oft als „Know-how” bezeichnet werden. Zum kognitiven implizierten Wissen gehören Verhaltensweisen, Überzeugungen und Wertemodelle, die die Wahrnehmung, dass Handeln und die Vorstellungen zur Zukunft einer Person bestimmen.4Das implizierte Wissen ist daher in den Personen gespeichert (embodied Knowledge), während explizites Wissen nicht nur beim menschlichen Wissensträger liegen kann, sondern auch mittels verschiedener Medien gespeichert, verarbeitet und übertragen werden kann (disembodied Knowledge).

Wissenstransfer und Generierung

Der Transfer von impliziten in explizites Wissen stellt daher eine Aufgabe des Wissensmanagements dar. Ohne diesen Transfer ist Wissen nicht für die Gesamtheit der Organisation nutzbar. Dies geschieht in einem spiralförmigen Prozess indem Wissen über die Externalisierung (implizit zu explizit), Kombination (explizit zu explizit), Internalisierung (explizit zu implizit) und Sozialisation (implizit zu implizit) auf höhere Organisationsstufen gebracht wird.5 Die Verfügbarmachung und Übertragung von Wissen ist zwar eine wichtige Aufgabe, aber der Bereich der Kombination (explizit zu explizit) generiert neues Wissen6 und kann daher als Hauptaufgabe angesehen werden.

Wissen selbst ist dabei auch keine Konstante, da es revidierbar und verbesserungsfähig ist. Dem folgend ist Wissen nicht als Wahrheit zu verstehen, sondern mehr als eine Ressource bzw. neuer Produktionsfaktor7 und damit auch untrennbar mit dem Nichtwissen verbunden.8 So wissen Organisationen zwar was sie tun, aber sie wissen nicht, was sie wissen; und sie wissen nicht, was sie wissen müssen, um tun zu können, was sie tun.9

Daher muss sich Wissensmanagement gerade mit dem Verhältnis und dem Umgang von Wissen, dem Nichtwissen und auch den Ungewissheiten auseinandersetzen.

Vom Nichtwissen

In der Diskussion des Begriffes selbst stehen sich zwei fundamentale Annahmen gegenüber. Handelt es sich beim Nichtwissen um ein grundsätzliches „Nicht-Wissen-Können” oder um ein temporäres „Noch-Nicht-Wissen?10. Sofern man vom zweiten Fall ausgeht, kann ein Nichtwissen grundsätzlich als ein überwindbarer Zustand verstanden werden. Und damit ist es demzufolge auch möglich das Nichtwissen zu reduzieren und zur Generierung von Wissen zu nutzen.

Nichtwissen lässt sich ebenso wie Wissen unterteilen, unterscheiden und mit Hilfe von Dimensionen segmentieren.

Es kann eine erste Dimensionseinteilung in bewusstes Nichtwissen („ich weiß genau, was ich nicht weiß” – known unknowns) und nicht bewusstes Nichtwissen („ich weiß nicht, was ich nicht weiß” – unknown unknows) vorgenommen werden11. Es muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass es eine Reihe von Zwischenformen gibt (vermutetes, nicht genau bestimmbares Nichtwissen)12. Im ersten Bereich ist es dann möglich eine weitere Unterscheidung vorzunehmen, ob es sich um freiwilliges bewusstes Nichtwissen handelt oder um unfreiwillig auferlegtes Nichtwissen handelt. Das nicht bewusste Nichtwissen wiederum lässt sich vom Standpunkt eines Beobachters in erkennbares und verborgenes Nichtwissen unterscheiden. Die zweite Dimension betrachtet dagegen die Funktionalität bzw. Dysfunktionalität des Nichtwissens. Dabei lässt sich bei der Funktionalität zwischen positivem und schützendem Nichtwissen unterteilen. Beim positiven Nichtwissen geht es um die Fähigkeit zu wissen, was man nicht zu wissen braucht.13Es liegt die Annahme zu Grunde, dass zu viel Informationen oder zu viel aufgebrachte Zeit zur Wissenssuche negative Auswirkungen auf Entscheidungsqualität hat. So wächst mit der Mehraufnahme an Informationen die Ungewissheit über die Entscheidung.

Das bewusste schützende Nichtwissen ist ein selbstauferlegter Schutzmechanismus (Tabu, Einhaltung gesellschaftlicher Normen) und ist im Rahmen des Wissensmanagement ein wichtiger Bereich, da es mir dem durchbrechen von Tabus im kreativen Prozess dafür eingesetzt werden kann um Denkblockaden zu lösen und die Kreativität zu erhöhen14

Nichtwissen wird daher auch als Voraussetzung für das Eingehen von Risiken im Entscheidungsprozess gesehen und damit als eine Möglichkeit um Innovationen zu ermöglichen.

Bei dysfunktionalen Nichtwissen erfolgt eine Einordnung nach inspirierendem, manipuliertem und ignoriertem Nichtwissen.

Inspirierendes Nichtwissen führt in der Organisation zur Wissensgenerierung, da es Entwicklungs- und Lernprozesse anregt. Manipulatives Nichtwissen ist die bewusste Vorenthaltung von Wissen und damit Manipulation durch Dritte und unter dem ignorierten Nichtwissen, lassen sich Formen des Nichtwissens fassen, von denen man nicht weiß, dass man sie nicht weiß (sogenannte blinde Flecken)15.

Die Verbindung zwischen Wissen und Nichtwissen

Die Grundlegende Annahme in der Beziehung zwischen Wissen und Nichtwissen lautet das die Wissensakkumulation nur zu einer progressiven Reproduktion von Nichtwissen führt16. Es lassen sich insgesamt vier Faktoren beschreiben, die für diese Verbindung verantwortlich sind17:

  • Die Selektivität der institutionellen Rahmenbedingungen des Wissensgewinns („social construction of ignorance”). Dabei werden bestimmte Zusammenhänge aufgrund von sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Interessen nicht erforscht.
  • Die Perspektivität und Selektivität wissenschaftlicher Theorien. Bei diesem Faktor geht man davon aus, dass man im Rahmen des Erkenntnisgewinns bestimmte Beziehungen und Verbindungen gezielt übersehen bzw. verkennen muss und damit aus dem Wissen gleichzeitig wieder Nichtwissen entsteht.
  • Dass das wissenschaftliche Wissen auf Experimenten beruht und die Grundlage und Vorbereitung dieser Experimente zu einer „Dekontextualisierung” oder „Rekonfiguration” führen. Dabei versteht man unter der Rekonfiguration eine Reihe von Punkten durch die Untersuchungsgegenstände beim Eintritt in den Laborkontext zwangsläufig verändert werden (Entfernen aus der Umgebung, Reinigung und Reduktion, zeitlicher Zusammenhang der Untersuchung). Standardisierte und kontrollierte Experimente führen dabei zwar zum Erkenntnisgewinn aber auch zu „Ausblendungsverlusten” und damit einem Wachstum an Nichtwissen.
  • Die vierte Dimension bezieht sich auf die dritte Dimension und entwickelt diese weiter. So können aus den Ausblendungsverlusten aufgrund der Experimente unerwartete Wirkungshorizonte entstehen, also eine Eigendynamik in Lauf gesetzt werden, ohne dass diese vorher zu antizipieren gewesen wären.

Fazit

Wissensmanagement hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt und insbesondere die Schattenseite, das Nichtwissen wird in der Diskussion sehr viel Aufmerksamkeit zu teil. Die unterschiedlichen Formen des Nichtwissens insbesondere im Bereich des dysfunktionalen Nichtwissens nehmen in der wirtschaftlichen politischen Berichterstattung einen großen Raum ein. Gerade im Hinblick auf sogenannte „Whistleblower” steht diesem Bereich und den Folgen der Erkenntnis / dem Bewusstmachen von manipulativen und des ignorierten Nichtwissen, eine im Forschungsbereich interessante Diskussion bevor. Gleichwohl ändert sich auch die Bewertung des bewussten Nichtwissens, gerade im Hinblick auf eine von Informationen überfluteten Welt in der das Individuum gezielt Wissen ignoriert.

Bei der Bewertung des funktionalen Nichtwissens für eine Organisation, müssen die Vorzüge und Nachteile des Nichtwissens berücksichtigt werden. Diese können Innovationen und Kreativität befördern aber auch eine lähmend wirken und die Handlungsfähigkeit einschränken oder gar die Produktivität und damit die Entwicklung der Organisation hemmen.

Der richtige Umgang des Wissensmanagement im Spannungsfeld Wissen und Nichtwissen kann zu einer Steigerung der Produktivität führen, sowohl für das Individuum als auch für die Organisation als Ganzes.

Marcel Hardrath, 2015

1

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Vgl. Pawlowsky, P (2002) Wozu Wissensmanagement. In Wissensmanagement Zwischen Wissen und Nichtwissen, S.116, Rainer Hamp Verlag

2

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Vgl. Wilke, H. (2002) Nagelprobe des Wissensmanagements: Zum Zusammenspiel von personalem und organisationalem Wandel. In Wissensmanagement Zwischen Wissen und Nichtwissen, S.15, Rainer Hamp Verlag

3

#
Vgl. Polanyi, P (1966) The tacit dimension, Garden City, Doubleday

4

#
Vgl. Nonaka, I u. Takeuchi, H (1997) Die Organisation des Wissens, S.8

5

#
Vgl. Nonaka, I u. Takeuchi, H (1997) Die Organisation des Wissens, S.9

6

#
Vgl. North, K (2012) Wissensorientierte Unternehmensführung: Wertschöpfung durch Wissen, S.51

7

#
Vgl. Wittmann, W (1977), Betriebswirtschaftslehre. Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW). S. 590

8

#
Vgl. Wilke, H (2004), Einführung in das systemische Wissensmanagement, S.21

9

#
Vgl. Baecker, D (2002) Die „andere Seite” des Wissensmanagements. In Wissensmanagement Zwischen Wissen und Nichtwissen, S.98

10

#
Vgl. Wehling, P (2008) Wissen und seine Schattenseite: Die wachsende Bedeutung

des Nichtwissens in (vermeintlichen) Wissensgesellschaften. In Evaluation, Wissen

und Nichtwissen, S.24

11

#
Vgl.: Scheinder, U (2007) Das Management der Ignoranz: Nichtwissen als Erfolgsfaktor, S.73

12

#
Vgl. Wehling, P (2008) Wissen und seine Schattenseite: Die wachsende Bedeutung

des Nichtwissens in (vermeintlichen) Wissensgesellschaften. In Evaluation, Wissen

und Nichtwissen, S.22

13

#
Vgl.: Scheinder, U (2007) Das Management der Ignoranz: Nichtwissen als Erfolgsfaktor, S.77

14

#
Vgl.: Scheinder, U (2007) Das Management der Ignoranz: Nichtwissen als Erfolgsfaktor, S.90

15

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Vgl.: Scheinder, U (2007) Das Management der Ignoranz: Nichtwissen als Erfolgsfaktor, S.99

16

#
Vgl. Luhmann, N (1995): Die Soziologie des Wissens: Probleme ihrer theoretischen Konstruktion. In

Gesellschaftsstruktur und Semantik, S.177

17

#
Vgl. Wehling, Peter (2006): Im Schatten des Wissens? Perspektiven der Soziologie des Nichtwissens, S. 253-273

Wir sind das Volk

Nach der von vielen Medien unterstützten und getragenen Unterstützung zur Flüchtlingshilfe mehren sich in den vergangenen Tagen die besorgten Stimmen. Neben Warnungen vor einer finanziellen und personellen Überlastung der Kommunen werden auch Ängste der Menschen vor einer „Überfremdung“ immer stärker in der Öffentlichkeit präsent. Fast wöchentlich sehen wir mit linken und rechten Parolen unterlegte Demonstrationen. Dazu kommen Forderungen nach einem schnelleren Abschieben von sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“, Höchstgrenzen für Flüchtlinge in Deutschland, Schutz der EU Grenzen und stärkerer Präsenz der staatlichen Sicherheitsorgane in Gebieten mit Flüchtlingen, gerade zum Schutz von Alten und Kindern.
Angst und Populismus werden geschürt und machen sich breit in unseren Kommunen. Was in vielen Diskussionen und Äußerungen kaum betrachtet wird, sind die Verantwortlichen für die Flüchtlingskrise und wahre Alternativen zum aktuellen Vorgehen.
Syrien, Afghanistan, Libyen und auch der Kosovo sind Staaten in denen Deutschland über viele Jahre politisch aktiv ist. So wurden in Syrien im Zeitraum 2000 bis 2011 insgesamt fast 600 Millionen US-Dollar allein von Deutschland in verschiedene Entwicklungshilfeprojekte investiert. Dadurch wurde eine hohe finanzielle Abhängigkeit geschaffen, die nach dem in 2011 verhängten Embargo rasch zu einer humanitären Katastrophe geführt hat. Unsere finanzielle Unterstützung hat bis 2011 dem syrischen Präsidenten geholfen und seit 2011 führt das Ausbleiben von Zahlungen zu einer Stärkung der islamischen Terroristen. Beide von unserem Handeln begünstigt.
Libyen erhielt im selben Zeitraum 37 Millionen US-Dollar, der Kosovo 100 Millionen US-Dollar und Afghanistan 2,4 Milliarden US-Dollar aus Deutschland.
Als ehemaliger Mitarbeiter im Bereich der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik kritisiere ich diese Form des deutschen Engagements schon seit vielen Jahren und sehe diese Form der Politik als gescheitert an. Das unterstützen von Regierungen und oppositionellen Kräften ohne einen genauen Plan zum „Nation Building“ hat bisher in allen Fällen zu einem Scheitern geführt und aktuell sehen wir dieses Scheitern sehr genau und WIR als deutsche Wähler sind für dieses Scheitern verantwortlich.
Alle 4 Jahre werden WIR an die Wahlurnen gerufen und unterstützen die Fortsetzung dieser Politik. Dabei spielt es keine Rolle welche Koalition in den letzten 25 Jahren Deutschland regiert hat. Alle Parteien ob in Regierungsverantwortung oder in der Opposition haben zweifelhafte Projekte im Bereich der Außenwirtschaft, Entwicklungshilfe oder auch bewaffnete Friedensmissionen mitgetragen, alle unterhalten ihre eigene politische Stiftung, die jährlich Millionenbeträge für die Entwicklungshilfe erhalten.
Diese Projekte resultierten aus der Überzeugung, dass wir besser wissen, was gut für den Rest der Welt ist, dass unsere moralischen Werte und unser Demokratieverständnis überlegen sind und wir durch deren Verbreitung etwas Gutes tun.
Entwicklungshilfeprojekte die faktisch auf 4 Jahre begrenzt sind, werden seit den 90er Jahren immer wieder verlängert, Infrastruktur wird errichtet, zerstört, wieder errichtet, zerfällt und muss saniert werden. Nachwuchspolitiker werden geschult, Parteien und NGOs aufgebaut, Bildungsprojekte aufgesetzt, um anschließend nach wenigen Jahren wieder in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden oder durch einen Regierungswechsel nicht fortgesetzt werden.
Geht es den Menschen vor Ort besser? Werden die Werbespots für „Brot für die Welt“ und viele andere karitative Projekte weniger? Haben wir es geschafft den Lebensstandard, Lebenserwartung und Lebensqualität dauerhaft zu erhöhen? Sind stabile Systeme geschaffen, die auch nach einem Machtwechsel nicht sofort kollabieren?
Die Weltbank hat am 5. Oktober bekannt gegeben, dass erstmals weniger als 10 Prozent der Weltbevölkerung unter extremer Armut leiden. Am Ende des Berichtes wird dann geschrieben, dass Daten aus dem mittleren Osten aufgrund der örtlichen Lage in diesem Jahr nicht erfasst werden konnten und nur 77 Prozent aller teilnehmenden Ländern auch verlässliche Daten übermittelt haben.
Die Flüchtlingskrise ist zu großen Teilen unserem eigenen Wunsch zur Weltverbesserung geschuldet. Anstatt bei Naturkatastrophen zu helfen, machen wir Staaten von dauerhafter finanzieller Hilfe abhängig und dabei können uns nur wenige andere Staaten das Wasser reichen.
Wenn uns jedoch eine Qualität ausmacht, so muss es die Ignoranz sein. Männliche Flüchtlinge räumen nicht auf, trennen den Müll nicht, starren unsere jungen Frauen an… ! Wir lieben Stereotypen und das Schubkastendenken. Mit der gesellschaftlichen Rolle des Mannes in Syrien beschäftigen wir uns nicht, ebenso wenig damit ob es dort auch ein Mülltrennungssystem gibt und was die sozialen Gepflogenheiten sind. Wir erwarten eine automatische Assimilation zu unseren Normen und Verhalten beim Grenzübertritt und nennen das Ganze dann „Integration“.
Heute wird wie vor 25 Jahren wird mit dem Slogan „Wir sind das Volk“ demonstriert. Eine treffende Bezeichnung, zeigt sie doch, dass WIR der „Souverän“ sind.
WIR müssen nun endlich beginnen unsere Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, Hilfe leisten und unsere Verantwortung erkennen.
Eine Alternative zur Aufnahme gibt es nicht, zumal es den Gipfel an Ignoranz darstellen würde eine neue hohe Mauer um Deutschland zu ziehen. Man zeige mir die Mauer, die nicht erklommen oder eingerissen werden kann.
Außer vielleicht der Mauer in unseren Köpfen!

Marcel Hardrath, Rodishain

Verkauf der VNG Anteile typisch für Nordhausen

Die Stadt Nordhausen hat einst 702.000 Anteile an der VNG zu einem Preis von 11,68 € erworben. Dies entspricht einem Kaufpreis von 8.199.360 € zum Ersterwerbspreis, verkauft wurden die 702.000 Anteile zu einem Stückpreis von 9,96 €, dies entspricht einem Verkaufspreis von 6.991.920 €. Daraus ergibt sich ein Verlust in Höhe von 1.207.440 € zum Ausgabepreis. Die Stadt spricht in ihrer Pressemitteilung jedoch von einem „tatsächlichen Ertrag“ in Höhe von 456.000 € woher kommt diese Zahl?

Als früherer Sachkundiger Bürger im Ausschusses für Rechnungsprüfung und Beteiligungsverwaltung habe ich ab 2012 sehr viele Berechnungen und Entscheidungen zur Holding gesehen und auch bis zum meinem freiwilligen und lautlosen Boykott der Sitzungen, viele bis heute unbeantwortete Fragen zu einzelnen Haushaltsposten und Berechnungen sowohl bei Neuinvestitionen als auch beim Haushalt gestellt. Da mich die Nichtöffentlichkeit des Ausschusses auch heute an meine Schweigepflicht bindet, kann ich auch viele Details nicht eingehen, bei der VNG sieht es dagegen anders aus.

Wie die Pressemitteilung richtiger Weise darstellt, ist der Wert der Anteile sehr stark vom Verkaufszeitpunkt abhängig und natürlich vom Interesse des jeweiligen Käufers (darüber schweigt sich die Pressemitteilung aus). Anschließend wird von Gutachten gesprochen und dem sogenannten Angebotszeitpunkt. Also dem Datum als die Stadt Nordhausen entschieden hat ihre Anteile zu verkaufen. Dieser Zeitpunkt war nach dem der Stadt Erfurt, die sehr viel mehr Anteile hält. Jetzt geht es aber in dem immer angesprochenen Gutachten der Stadt Erfurt in erster Linie darum den Wert der Anteile zu ermitteln und nicht den Verkaufspreis. Es handelt sich bei der VNG schließlich um das umsatzstärkste Unternehmen in den neuen Bundesländern. Ergebnis des Gutachtens war, dass ein Anteil der Stadt Erfurt 17,47 € Wert sei.

Nun kommt der interessante Teil, die Stadt Nordhausen argumentiert, dass der Anteil Erfurts mehr Wert sei, da er die Sperrminorität beeinflusst und die Nordhäuser Anteile nicht. Durch einen „ungünstigen Käufer“ könnte tatsächlich der Firmensitz verlagert werden und damit viele Arbeitsplätze in Leipzig verloren gehen.

Dieser „ungünstige Käufer“ kommt aber nur Zum Zug, wenn Leipzig oder Wittenberg die Aktien nicht selber kaufen, die Sperrminorität ist also nicht in direkter Gefahr, da es ein Vorkaufsrecht für andere Kommunen gibt, die Argumentation der Stadt läuft also hier ins Leere.

Der zweite Punkt der Stadt betrifft den Zeitpunkt des Angebots, der wie oben dargestellt mit dem Verkaufspreis nicht in direkter Abhängigkeit steht. Ende 2013 waren es laut Gutachten also 17,47 € pro Anteil und 2014 sind es dann nur noch 9,96 €? Obwohl es dem Unternehmen sehr gut geht, soll sich hier der Wert um ca. 50 Prozent gemindert haben? Zumal Erfurt seine Anteile nicht platziert hat.

Der Wert eines Anteils ist unabhängig vom Halter des Anteils und er kann nicht innerhalb weniger Monate um ca. 50 Prozent weniger wert sein. Die Berechnung der Stadt zum „tatsächlichen Ertrag“ lässt vermuten, dass durch die zwei zeitlich unterschiedlichen Zahlungen für den Verkauf der Anteile Zinsgewinne entstehen und eventuell Dividenden der letzten Jahre mit eingerechnet wurden. Diese Berechnung, Argumentation ist falsch und der tatsächliche Verlust des Geschäfts zum Ausgabepreis beträgt ein Minus von 456.000 €. Wenn die Stadt unter Dr. Zeh weise und im Interesse der Bürger gehandelt hätte, wären vielleicht keine 5 Millionen Gewinn entstanden, aber zumindest kein Verlust im direkten Verkaufsgeschäft der Aktien.

veröffentlicht in der nnz online
veröffentlicht in der Thüringer Allgemeinen